Umbau und Sanierung Erasmus-Kittler-Schule in Darmstadt
Mit der Gesamtsanierung und Erweiterung der Erasmus-Kittler-Schule entsteht in Darmstadt ein zukunftsfähiger Lernort für die berufliche Bildung. Der bestehende Schulkomplex aus Nord-, West- und Ostflügel wird baulich, energetisch und brandschutztechnisch umfassend weiterentwickelt und durch einen neuen Südflügel ergänzt. Die Erasmus-Kittler-Schule bildet dabei gemeinsam mit der benachbarten Peter-Behrens-Schule das Berufsschulzentrum Mitte. Rund 1.400 Schülerinnen und Schüler werden hier in den Bereichen Technik, Metalltechnik, Maschinenbau und Informationstechnik ausgebildet. Die Planung schafft die räumlichen Voraussetzungen für diese vielfältigen Anforderungen und verbindet den respektvollen Umgang mit dem Bestand mit einer klaren Perspektive für die Zukunft.
Weiterbauen im Bestand
Der 1958 errichtete Nord- und Westflügel wird umfassend saniert. Dabei bleiben die tragenden Strukturen vom Untergeschoss bis zum zweiten Obergeschoss erhalten. Schadstoffe werden fachgerecht entfernt, Grundrisse neu geordnet und die Gebäudehülle energetisch optimiert.
Die bestehende Aufstockung aus den 1970er-Jahren wird zurückgebaut und durch ein neues, leichtes Geschoss in Holzbauweise ersetzt. Vorgesehen ist eine Konstruktion mit hohem Vorfertigungsgrad und CLT-Decken. Das neue dritte Obergeschoss wird als offene und flexibel nutzbare Lernlandschaft ausgebildet. Mobile Trennwände und Sichtverbindungen ermöglichen unterschiedliche Unterrichts- und Aufenthaltskonfigurationen.
So entsteht aus dem heterogen gewachsenen Gebäudekomplex ein zusammenhängendes Ensemble mit einer klaren architektonischen Identität. Die vertikalen Lisenen des Bestands werden aufgenommen und in die neue Fassadengestaltung integriert. Mosaikfliesen setzen Akzente in den Brüstungsbereichen und stärken die Wertigkeit und Dauerhaftigkeit der neuen Gebäudehülle.
Der neue Südflügel
Der viergeschossige Südflügel schließt den Schulkomplex nach Süden ab und fasst den neu gestalteten Innenhof. Der Erweiterungsbau ergänzt die bislang fehlenden Räume für die bestehende Schülerzahl; eine Erhöhung der Nutzerzahl ist nicht vorgesehen.
In jedem Geschoss entstehen drei Klassenräume. Ergänzt werden die Unterrichtsbereiche durch Sanitäranlagen, Duschen und Umkleiden, einen Lehrerstützpunkt sowie Flächen für Erschließung und Haustechnik. Ein neues Treppenhaus und ein Aufzug erschließen den Südflügel einschließlich Untergeschoss barrierefrei.
Die Fassadengestaltung vermittelt zwischen dem Bestand und dem bestehenden Werkstattgebäude. Horizontale Fensterbänder betonen die Geschosse, während die Tragstruktur der Stützen als vertikale Ordnung ablesbar bleibt. Auf diese Weise entsteht ein eigenständiger Neubau, der zugleich selbstverständlich zum vorhandenen Schulensemble gehört.
Räume für zeitgemäßes Lernen
Die Planung reagiert auf die besonderen Anforderungen einer technischen Berufsschule. Fachklassenräume, Labore und Werkstätten werden neu geordnet und mit zeitgemäßen Arbeitsplätzen, Apparaturen und Experimentiertischen ausgestattet. Die Medienversorgung erfolgt, soweit möglich, über Deckensysteme. Dadurch bleibt die Möblierung flexibel und kann an unterschiedliche Unterrichtsformen angepasst werden.
Offene Lernbereiche, Medienangebote und Aufenthaltsflächen ergänzen die klassischen Klassenräume. In den Fluren entstehen verbindende Räume, die nicht nur der Erschließung dienen, sondern auch Orientierung, Kommunikation und informelles Lernen unterstützen. Die sichtbare Führung technischer Leitungen macht den Charakter der technischen Schule ablesbar und wird zu einem bewussten Bestandteil der Innenraumgestaltung.
Nachhaltig und energieeffizient
Die Sanierung des Nord- und Westflügels wird auf den Energiestandard Effizienzhaus 55 gemäß den Leitlinien für nachhaltiges Bauen der Wissenschaftsstadt Darmstadt ausgerichtet. Der neue Südflügel wird als Passivhaus geplant.
Alle Gebäudeflügel erhalten Gründächer mit Photovoltaikanlagen. Insgesamt ist eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von rund 111 kWp vorgesehen. Wärmepumpen, mechanische Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und eine konsequent optimierte Gebäudehülle reduzieren den Energiebedarf und verbessern den langfristigen Betrieb.
Die technische Ausstattung wird in die architektonische Konzeption integriert. Heiz- und Kühlsegel übernehmen die Wärmeabgabe und unterstützen die Temperierung der Räume. Dezentrale Lüftungsgeräte ermöglichen die Versorgung des Bestands, ohne die Tragstruktur durch eine große zentrale Anlage zusätzlich zu belasten.
Ein neuer Mittelpunkt im Freiraum
Der Innenhof wird zum zentralen Ruhe-, Lern- und Begegnungsort der Schule. Staudenpflanzungen und mehrstämmige Gehölze schaffen eine angenehme Atmosphäre und verbessern das Mikroklima. Ein mehrstufiges Sitzpodest aus Holz und Stahl bietet unterschiedliche Aufenthaltsmöglichkeiten und kann auch für schulische Veranstaltungen genutzt werden.
Die Wegeverbindungen und Eingangsbereiche werden neu geordnet und barrierefrei ausgebildet. Eine neue Fahrradwerkstatt mit Vorplatz schafft einen Treffpunkt für die Erasmus-Kittler-Schule und die benachbarte Peter-Behrens-Schule. Fahrradstellplätze, begrünte Fassadenbereiche und eine dezentrale Regenwasserbewirtschaftung ergänzen das nachhaltige Freiraumkonzept.
Ein Bildungsbau mit langfristiger Perspektive
Die Erweiterung und Sanierung der Erasmus-Kittler-Schule verbindet Bestandserhalt, moderne Lernkonzepte und nachhaltige Gebäudetechnik. Aus einem gewachsenen Schulkomplex entsteht ein zusammenhängender, identitätsstiftender Bildungsort, der den Anforderungen der technischen Berufsausbildung ebenso gerecht wird wie den Zielen einer klima- und ressourcenschonenden Stadtentwicklung.
Projektdaten / Details
Leistungen
Entwurfsplanung und Kostenberechnung, Ausführungsplanung, Vorbereitung der Vergabe, Mitwirkung bei der Vergabe, Objektüberwachung, Objektbetreuung
Projektteam
Michael Wießner, Michael Diercks, Johannes Schacke, Marah Altarawneh
Visualisierungen
Bernhardt + Partner Architekten mit KI-Unterstützung